“Was haben Moskau und Erbach gemeinsam? Moskau hat einen roten Platz und Erbach einen toten. Schreiben Sie das gerne mal auf!” Mit dieser Aufforderung hat mich am Morgen ein älterer Herr in Erbach angesprochen, als ich gerade auf dem Marktplatz stand und Fotos vom Schloss und den umliegenden Gebäuden und Skulpturen machte. Ein interessanter Opener für ein Gespräch mit einem Fremden und scheinbar sah ich aus wie ein Journalist. Dabei bin ich im Urlaub und habe längst vergessen, dass ich auch Blogger bin. Aber nunja, hier bin ich wieder, Omaelse ist zurück.
Erbach ist ein kleiner Ort im hessischen Odenwald, der direkt in Michelstadt übergeht. Auf der Karte ist mir kaum ersichtlich, wo hier die Grenze zwischen den Orten liegt, aber scheinbar sind es wirklich unterschiedliche Städte. Die Altstadt rund um das Schloss ist ein echtes Fachwerk- und Kopfsteinpflasterparadies. Alles ist gut in Schuss und sieht sehr gepflegt aus.




Trotzdem liegt der Mann mit seinem verrückten Vergleich nicht ganz falsch: Viel los ist an diesem Donnerstag hier nämlich nicht und auf meinen Fotos sieht man auch ohne Bildretusche fast keine Menschen. Und scheinbar ist das nicht nur heute so, denn das Zitat des toten Platzes stammt angeblich bereits aus dem Jahr 1992 vom Friseur des Herrn.
Erbach, wer steht hier rum?
Auf dem Marktplatz haben vor allem die Skulpturen mein Interesse geweckt. Direkt auf das Schloss blickend befindet sich hier nämlich eine aufwändig eingefasste Skulptur von Franz I. Graf zu Erbach-Erbach, der nach einem Aufenthalt in Rom ab 1775 die Regierung der Teilgrafschaft übernahm und zudem Kunstsammler war. Vor dem Schloss befinden sich zudem zwei schöne Skulpturen von Hirschen, die vor dem rötlichen Schloss ein stimmiges Bild abgeben. Soweit so historisch.
Etwas ungewöhnlicher ist eine kleine Statue am Rand des Markplatzes direkt vor dem alten Rathaus: Dort steht eine Broze-Figur von einem wirklich coolen Typen mit Vollbart, Hut und Sonnenbrille. Schon von weitem hat mich die Skulptur an eine sympathische Mischung aus Gothic und Hipster erinnert. Vermutlich soll die Skulptur aber eher einen Handwerker darstellen? Eine Beschreibung zur Skupltur habe ich leider nicht entdeckt, aber einen Like bekommt sie von mir auf jeden Fall.

Glücksfabrik
Neben der charmanten und vom Mümling durchzogenen Altstadt, habe ich bei meiner planlosen Exkursion leider nicht viel spannendes im Zentrum entdeckt. Etwas außerhalb befindet sich direkt an der Michelstädter Straße mit der Koziol Glücksfabrik noch ein kleines Highlight der Region: Dabei handelt es sich um eine traditionsreiche Kunststofffabrik, die laut Wikipedia heute vor allem Designartikel und Wohnaccessoires herstellt. Es gibt dort ein dazugehöriges Museum und laut Kund:innenstopper an der Straße auch leckeres Softeis. Die Fabrik ist vom Marktplatz aus zu Fuß in ca. 15 bis 20 Minuten erreichbar.
Alles in allem hatte ich trotz Planlosigkeit und unverhofft einen sehr schönen Tag in Erbach. Ich kannte den Ort vorher nicht und bin nur hier gelandet, weil Lulu einen geschäftlichen Termin wahrnehmen musste und wir das mit einem Kurzurlaub im Odenwald verbinden.
Michelstadt
Weil Michelstadt angeblich schöner sein soll als Erbach, haben wir nach Lulus Termin noch einen Abstecher in den historischen Ortskern gemacht. Hier gibt es ebenfalls viel Fachwerk, viele kleine Lädchen und im Gegensatz zu Erbach ist hier alles schon frühlingshaft mit Osterdeko geschmückt. Uns haben beide Orte eigentlich gleich gut gefallen, wir hatten aber auch wirklich Glück mit dem Wetter – ganz bestimmt dank der Glücksfabrik.



