Haus Höfði 2023, in dem 1986 das Gipfeltreffen von Reykjavik stattfand.

Reykjavik 1986 – Der Anfang vom Ende des Kalten Kriegs

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Wie endete eigentlich der Kalte Krieg und das Wettrüsten zwischen der Sowjetunion und den USA? Eine ganz besondere Rolle spielte hierfür das Gipfeltreffen in Reykjavik, das am 11. und 12. Oktober 1986 im Haus Höfði stattfand. Dabei debattierten US-Präsident Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, Generalsektretär des Zentralkommitees der PDdSU, vor allem über die nukleare Abrüstung beider Staaten, um die Gefahr eines Atomkriegs zu minimieren (vgl. Goodby 2006, Wiley 2019: 2).

Aber wie lief das ganze im Oktober 1986 eigentlich ab und worum ging es konkret? Zu dieser Frage möchte der Artikel einen Beitrag leisten, indem die Ereignisse von 1986 im Haus Höfði zusammengefasst und die Standpunkte beider Parteien gegenüber gestellt werden. Zudem wird das Gipfeltreffen in den historischen Kontext des Kalten Kriegs gesetzt.

Der Kalte Krieg und das Gipfeltreffen von Reykjavik

Ein zentraler Antreiber des Kalten Kriegs war von Anfang an die nukleare Aufrüstung auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. „Bis Mitte der 1980er Jahre wuchsen die Arsenale beider Supermächte auf über 60.000 Sprengköpfe, genug, um den gesamten Globus und mit ihm die Menschheit gleich mehrmals zu vernichten“ (Greiner 2021).

Zu einem Umdenken kam es erst bei der Genfer Gipfelkonferenz im November 1985 und schließlich dem Gipfeltreffen in Reykjavik ein Jahr später. Denn das Wettrüsten stellte nicht nur eine enorme Gefahr für die Weltbevölkerung dar, sondern war außerdem extrem teuer. Das wurde besonders für die Sowjetunion wegen anhaltender Wirtschaftskrisen zunehmend zum Problem (vgl. Baberwoski 2023: 00:00-01:45, Wiley 2019: 2). Michail Gorbatschow wollte daher vor allem folgendes in Reykjavik erreichen:

„Alle Arten von strategischen Waffen sollten um die Hälfte verringert werden. Die Mittelstreckenraketen sollten weg aus Europa, die in Asien reduziert und vielleicht wegverhandelt werden. Auch die Kurzstreckenwaffen stünden zur Disposition“.

Michail Gorbatschow zit. nach ZDF Heute vom 12.10.1986 Nachtausgabe

Dementsprechend lag der Fokus des Gipfels auf der nuklearen Abrüstung, um das Risiko eines Atomkriegs zu verringern. Reagan „saw this summit as an opportunity to showcase the strength of US diplomacy by working through the timid US and USSR relations“ (Wiley 2019: 2). Für Gorbatschow auf der anderen war das Treffen eine wichtige Chance zur Modernisierung der Sowjetunion und Beitrag zu seinem wichtigsten Ziel, der militärischen Abrüstung. Denn nahezu allen Eliten in der Sowjetunion war zu diesem Zeitpunkt klar, dass das Land in dem Wettrüsten wegen wirtschaftlicher Krisen nicht weiter mithalten könnte (vgl. Baberwoski 2023: 00:00-01:45, Wiley 2019: 2).

Trotzdem verliefen die Verhandlungen alles andere als Reibungslos. Denn obwohl auch die USA für Abrüstung waren, thematisierte Ronald Reagen auch Verstöße der Sowjetunion gegen die Menschenrechte und wollte darüberhinaus Kontrollmechanismen etablieren, um die Abrüstung beider Seiten zu überprüfen (vgl. Wiley 2019: 8f). Der größte Streitpunkt war aber die Strategic Defense Initative (SDI), ohne die Ronald Reagen einem Abkommen nicht zustimmen wollte. Diese umfasste nämlich eine neuartige Verteidigungslinie moderner land-, see-, luft- und sogar weltraumgestützter Waffensysteme. Das Programm wurde umgangssprachlich daher auch als „Star Wars“ bezeichnet.

Dabei verhärteten sich die Fronten, da Ronald Reagan am SDI als wichtiger Verteidigungstechnologie festhalten wollte, während Gorbatschow die nukleare Abrüstung nur ohne SDI erwirken wollte (vgl. Wiley 2019: 11f). „Gorbachev and Reagan attempted everything possible to come to an agreement to conclude the conversations, but nothing was ever met. At one point, discussions over the SDI came so close that Reagan screamed at Gorbachev ‚We are so close!’“ (Wiley 2019: 18). Gorbatschow beharrte allerdings auf seiner Position und wollte Reagans Angeboten nur dann zustimmen, wenn sich die SDI auf Forschungen im Labor beschränken würde (vgl. Cooper 2016: 9).

So kam es letztlich zu keinen wesentlichen gemeinsamen Vereinbarungen und das Treffen wurde international zunächst als gescheitert angesehen (vgl. Wiley 2019: 18f). Allerdings ebnete es den Weg für die spätere nukleare Abrüstung und Gorbatschow blickte bereits auf der Rückreise nach Moskau positiv auf das Treffen zurück:

„We need not fall into despair; Reykjavik led us to the most important stage of where we stand. Everybody saw that agreement is possible. From Reykjavik, we drew the conclusion that the necessity for dialogue had increased even more. That is why I am even more of an optimist after Reykjavik“.

Michail Gorbatschow zit. nach Cooper 2016: 9

Alles in allem war das Gipfeltreffen in Reykjavik somit eine wichtige Etappe zur Abrüstung und dem Ende des Kalten Kriegs. Deshalb ist es auch sehr passend, dass hier seit 2015 ein Stück der Berliner Mauer als Gedenkort steht und an die Zeit des Kalten Kriegs bzw. dessen Ende erinnert. Das Haus Höfði ist daher auf jeden Fall einen Besuch wert und sollte bei einer Reise nach Island fest eingeplant werden.

Weiterführende Informationen zum Gipfeltreffen von Reykjavik

Videomaterial

Artikel

Quellen

Baberwoski, Jörg 2023: Was war das wichtigste außenpolitische Thema Gorbatschows? – Was war der Kommunismus? Wir fragen Jörg Baberowski. In: Bundesstiftung Aufarbeitung. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023).

Bundesstiftung Aufarbeitung o.J.: Chronik 1989/90. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023).

Cooper, James 2016: From Reykjavik to
 Fulton: Reagan, Thatcher, and the ending of the Cold War. In: Journal of Transatlantic Studies, 14 (4). pp. 383-400. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023).

Goodby, James E. 2006: Looking Back: The 1986 Reykjavik Summit. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023)

Greiner, Bernd 2021: Spuren und Lehren des Kalten Kriegs. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023).

Hunt, Jonathan 2011: The Strangest dream – Reykjavik 1986. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023).

Wiley, Aaron Tyler 2019: The Reykjavik Summit – The Cold War’s Conclusion and the Impact of Power Brokers and the SDI. Online verfügbar (Eingesehen am 28.07.2023).