Come down and take a Bath!

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Eine Reise mit einem Narrow-Boot ist in jeder Hinsicht anders als alles, was ich bisher gemacht habe. Das liegt zum einen daran, dass dieses Boot unerträglich langsam ist und man sogar von Fußgänger:innen laufend überholt wird. Das war für mich an den ersten beiden Tagen auf jeden Fall eine ungewöhnliche Erfahrung, weil ich im Alltag meist voller Tatendrang bin und ich versuche meinen Tag möglichst effizient zu gestalten. Jetzt bin ich aber auf diesem Boot, das so agil ist wie ein Faultier beim Mittagsschlaf und diese Dynamik gekonnt auf die gesamte Crew überträgt. So ist es eben nicht möglich, viele Dinge effizient zu erledigen. Stattdessen geht alles in Narrow-Boot-Zeitlupe, alles dauert länger und selbst das Auffüllen des Wassertanks nimmt gute dreißig Minuten in Anspruch.

Dabei ist ein Narrow-Boot nicht nur langsam, sondern auch sehr träge. Das merkt man besonders beim Steuern, wenn man den Gang einlegt und das Boot etwa eine Minute lang zum Beschleunigen auf gemächliche Schrittgeschwindigkeit bemötigt. Ähnlich agil ist das Bremsen. Nur das Lenken fühlt sich überraschend direkt an, auch wenn das schwere Boot auch hier einige Zeit benötigt, um die Richtung zu ändern. Masse ist eben schwer und träge.

© Konrad Schmidt

Ein Narrow-Boot ist aber nicht nur langsam und träge, sondern auch sehr lang. Dadurch muss man sehr vorausschauend fahren und Kurven schon weit im Voraus planen. Manchmal ist es dabei gar nicht so einfach das Boot auf dem engen Kanal so zu positionieren, dass man Hindernisse und andere Boote mit genügend Abstand umfährt. Zum Glück ist das Gefährt aber so langsam, dass man Fehler leicht korrigieren kann.

Die Gemächlichkeit, Trägheit und ungewöhnlichen Proportionen eines Narrow-Boots sind aber keine Nachteile! Im Gegenteil zeigt mir diese Art des Reisens, wie viel Stress in meinem Alltag vorkommt und wie schwer es mir fällt, einfach mal abzuschalten: Es müssen nicht jeden Tag unzählige Dinge erledigt und To-do Listen abgearbeitet werden. Manchmal reicht es auch einfach aus, am Bug des Boots in der Sonne zu sitzen und geschmeidig durch das Wasser zu gleiten. „It does not look like a stressfull day“ hat es gestern ein netter Mensch auf einem anderen Boot treffend zusammengefasst, als er uns freundlich begrüßt hat. Überhaupt sind die Leute hier alle unglaublich freundlich, herzlich und hilfsbereit.

Bath

Mittlerweile sind wir in dem wunderschönen Städtchen Bath angekommen, das vor allem wegen seines Römerbads bekannt ist. Natürlich haben wir die historischen Anlagen auch besichtigt und eine ganze Menge über die römische Badekultur sowie deren Medizin und Religion gelernt. Leider war es an vielen Stellen des Museums extrem voll, sodass ich mich häufig gehetzt und in der Menschenmasse unwohl gefühlt habe. Trotzdem war es sehr interessant, weil es einfach immer wieder aufs Neue und beeindruckend ist, was die Menschen vor mehr als 2000 Jahren schon alles bauen konnten.

Wie es leider über viele Jahrhunderte lang Gang und Gäbe war, sind viele dieser Errungenschaften allerdings erst durch die Unterdrückung von Sklaven und deren Arbeitskraft möglich geworden. Im Museum wurde dies leider nur kurz damit angedeutet, dass Sklaven regelmäßig durch die engen Schächte der Fußbodenheizung kriechen und den Ruß entfernen mussten. Das muss furchtbar gewesen sein, weil die Schächte unglaublich schmal und er Zwischenraum zwischen Fundament und Fußboden der Bäder nur geschätzte 50cm hoch ist. Es wäre wirklich schön gewesen, wenn die Ausstellung auf diesen Aspekt einen stärkeren Fokus gelegt hätte und ich mehr darüber erfahren hätte.

Neben den Bädern ist auch Bath selbst wirklich sehenswert. Es gibt hier unglaublich viele kleine Restaurants und Cafés, in denen man gemütlich Sitzen und die Stadt beobachten kann. Auch die zahlreichen liebevoll gestalteten Läden laden dazu ein, viel Zeit in der Stadt zu verbringen und den Tag zu genießen. Langweilig wird es hier auf jeden Fall nicht.